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(13.04.2026)
Mit der anhaltenden Energiekrise steigt die Versuchung, steigende Kosten mit Preisdeckeln und versteckten Subventionen abzufedern. Das wäre ökologisch falsch, sozial ungerecht und ökonomisch ineffizient. Nötig ist ein direktes Energiegeld, das Belastungen fair ausgleicht und den Druck für die Energiewende aufrechterhält.
Die Energiekrise ist mit voller Härte zurückgekehrt. Die Folgen des Irankrieges gefährden die maritimen Handelsrouten und führen zu deutlich steigenden Kosten bei Öl und Gas. Nachdem die Bundesregierung mit Maßnahmen wie der Senkung von Netzentgelten, der Abschaffung der Gaspreisumlage und der Absenkung der Energiesteuer reagiert hat, wächst der Druck, die Belastungen für Haushalte direkt abzufedern.
Wiederholen wir die Fehler von 2022?
Das aktuelle Paket zielt auf eine Entlastung der Wirtschaft bei den Kosten des Energiesystems in Höhe von 10 Milliarden Euro. Inwieweit die beschlossene Entlastung überhaupt bei den Bürgern ankommt, ist völlig unklar. Aber selbst wenn diese Summen im vollen Umfang bei den Bürgern ankommen, wären es nur 120 Euro pro Jahr und Person. Pro Monat also 10 Euro. Mit explodierenden Energie- und Transportkosten und Folgekosten z.B. bei Düngemitteln steigen nach den Spritkosten auch die Preise im Supermarkt. Weitere Preissteigerungen sind bei Heizgas und -öl zu erwarten.
Zudem leiden die Entlastungen beim Energiepreis an denselben Konstruktionsfehlern wie die Preisbremsen von 2022.
Einer davon ist die geschwächte Lenkungswirkung. Werden Preise künstlich gedeckelt, entfällt der ökonomische Anreiz zum Energiesparen. In einer Phase, in der fossile Energie aufgrund knapper Angebote und steigender CO2-Preise teuer bleiben muss, konterkariert dies nicht nur die Klimaziele.
Dazu kommt die soziale Ineffizienz. Preisdeckel begünstigen Vielverbraucher. Haushalte mit großen Wohnflächen oder großen Fahrzeugen erhalten absolut gesehen höhere Subventionen als einkommensschwache Haushalte in kleineren Wohnungen und ohne eigenes Auto.
Schließlich der bürokratische Aufwand: Die Verteilung von Subventionen für die Haushalte über den „Umweg“ der Energieversorger hat sich als kompliziert und fehleranfällig erwiesen.
Lenkungswirkung mit sozialem Ausgleich
Eine effizientere Alternative stellt die direkte Auszahlung eines Energiegeldes dar, analog zum Konzept des Klimageldes.
Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass der Preismechanismus intakt bleibt. Wenn fossile Brennstoffe real steigende Kosten widerspiegeln, steigt der Anreiz für den Umstieg auf Wärmepumpen, den öffentlichen Verkehr oder die E‑Mobilität.
Zugleich sorgt das Energiegeld für einen sozialen Ausgleich. Da einkommensstarke Haushalte statistisch einen deutlich höheren Energieverbrauch haben, wirkt eine pauschale Pro-Kopf-Zahlung wie eine progressive Steuerreform.
Es findet eine gewisse Umverteilung statt, die soziale Härten abfedert, ohne die ökologische Lenkung zu schwächen. Technisch ist dieser Weg durch die Verknüpfung von Steuer-ID und Iban beim Bundeszentralamt für Steuern nun endlich auch umsetzbar.
Dass vier Jahre nach dem Beschluss zur Einrichtung eines Direktauszahlungsmechanismus bisher nur für 18 Prozent der Bevölkerung eine Bankverbindung hinterlegt sein soll, ist zwar ein Ärgernis – Österreich hat die komplette Einrichtung in acht Monaten geschafft – aber kein Hinderungsgrund.
Dieses Manko ließe sich zügig beheben, wenn die Bürger entsprechend informiert und zur Hinterlegung ihrer Daten aufgefordert würden. Die jetzt diskutierte Erhöhung der Entfernungspauschale würde schließlich auch erst mit der nächsten Steuerabrechnung bei den Bürgern ankommen.
Die laufende Debatte vernachlässigt zumeist auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft jenseits der Großindustrie wie Chemie oder Stahl. Durch pauschale Preissenkungen werden gerade diese energieintensiven Sektoren begünstigt.
Energiegeld stabilisiert Kaufkraft
Schafft der Staat keinen direkten sozialen Ausgleich, könnten die aufgrund steigender Lebenshaltungskosten drohenden Reallohnverluste zu höheren Tarifabschlüssen führen. Ein Energiegeld stabilisiert hingegen die Kaufkraft, ohne die Lohnkosten der Betriebe nach oben zu treiben.
Um spezifische Härten auszugleichen und die Akzeptanz zu erhöhen, kann das Energiegeld durch weitere gezielte Instrumente ergänzt werden, etwa:
- Mobilitätstransformation: Für einkommensschwache Berufspendler bietet sich das französische Modell des leasing social an. Es ermöglicht den Umstieg auf E‑Fahrzeuge für etwa 100 Euro im Monat und ersetzt so die Subventionierung fossiler Mobilität.
- Regionale Staffelung: In Anlehnung an das österreichische Modell könnte die Höhe des Energiegeldes an die Verfügbarkeit des ÖPNV gekoppelt werden, um Bewohner auf dem Land gezielt zu unterstützen.
- Fiskalische Präzision: Um den Vorwurf eines unsozialen Gießkannenprinzips zu entkräften, schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor, die Pro-Kopf-Zahlung bei den oberen 30 Prozent der Einkommen über die Steuererklärung wieder abzuschöpfen.
Deutschland steht vor der Entscheidung: Wollen wir weiterhin mit kurzfristigen Preisinterventionen gegen den Markt politische Ruhe erkaufen oder finden wir den Mut zu einer sozial- wie wirtschaftsverträglichen Energiepolitik?
Das Energiegeld ist wie das Klimageld das Fundament einer resilienten Energiewende. Es sichert die ökologische Lenkungswirkung, schützt die Schwächsten und schafft die notwendige Akzeptanz für die unvermeidbare Transformation unseres Energiesystems. Es wäre die notwendige Brücke, um das verloren gegangene Vertrauen in eine sozialverträgliche Energie- und Klimapolitik zurückzugewinnen.
Der Artikel ist am 12.04.2026 (redaktionell leicht überarbeitet) auf klimareporter.de erschienen.
Abbildung: pixabay.com